In diesem Artikel gibt euch Mina einen Überblick über ihren Master in Informationssystemen und Digitale Innovationen (MISDI) an der LSE in London.
Lange Zeit war es mein Ziel, einen Masterstudiengang im Ausland zu absolvieren und seit letztem September (2025) bin ich dabei genau das zu realisieren - mit einem Studium an der London School of Economics and Political Science (LSE) für den M.Sc. Management of Information Systems and Digital Innovation (MISDI).
Warum ein Master im Ausland?
Die Wahl für ein geeignetes weiterführendes Studium ist nicht einfach. Es gibt mittlerweile zahlreiche Programme mit unterschiedlichen Abschlüssen (z. B. M.Sc., M.A., MBA), verschiedenen Studienformaten wie berufsbegleitend oder in Teilzeit und variierenden Studienlängen. Dazu kommen noch Studienkosten bei Programmen im Ausland dazu. Daher ist es immer sinnvoll, sich zunächst vor Augen zu führen, was einem wichtig ist. Ich habe mich initial daher auf folgende Kriterien festgelegt:
- Spezialisierung basierend auf meinen bisherigen akademischen Kenntnissen: Informatik, Psychologie & Wirtschaft
- Höhe der Studiengebühren (unter Betrachtung von Stipendien und BAföG)
- Studiumslänge, möglichst ein Jahr, um nicht zu lange auf ein Einkommen verzichten zu müssen
- Englischsprachiges Ausland, um meine Sprachkenntnisse aufzubessern
- Bekanntheit der Uni mit einem hohen Schwerpunkt auf Forschung
Grundsätzlich wollte ich für meinen Master nochmal ein neues Land erleben, etwas meine Komfortzone verlassen, mich stärker in einem bestimmten Bereich zwischen IT und Wirtschaft spezialisieren und mich beruflich internationaler orientieren. Nach initialen Recherchen wurde für mich deutlich, dass Einjahresprogramme in und um Europa nicht so häufig vorkommen, weshalb ich mich näher mit Angeboten in UK und Irland beschäftigt habe. Letzten Endes bin ich dabei auf den MISDI-Studiengang der LSE gestoßen, der alle meine aufgelisteten Präferenzen abgedeckt hat und sofort zu meinem bevorzugten Programm geworden ist.

Was MISDI an der LSE besonders macht
MISDI baut ideal auf meinen beiden Bachelorabschlüssen in BWL und Mensch-Computer Interaktion (MCI) auf und betrachtet Informationssysteme sowie Innovationen auf Managementebene aus einem sozio-technischen Blickwinkel. Ergänzt werden diese Aspekte durch den Ansatz des Studiengangs, nicht nur Lösungen für bestehende Probleme zu lehren, sondern durch aktuelle Forschungsergebnisse neue Sichtweisen und Strukturen zu vermitteln. Besonders, da ich für mich das Jahr herausfinden möchte, ob ich mir eine Karriere in der Forschung vorstellen kann, war mir eine starke theoretische Grundlage wichtig.
Zusätzlich zu den fachlichen Gründen zur Wahl dieses Studiengangs stellt für mich die LSE als Hochschule ein besonders attraktives Lernumfeld dar. Es handelt sich um eine international anerkannte Institution, die sich aktiv in die Forschung einbringt und eine gute Lehre vorweist. Meine Erfahrungen in meinem Auslandssemester an der Kyoto University haben mich dazu bewegt, ein ähnlich intensives und facettenreiches Umfeld zu wählen. Durch ihren Schwerpunkt in den sozioökonomischen Wissenschaften, mit Diversität und Inklusion als Kernwerte der LSE, sind das Lernumfeld und die Kommiliton*innen etwas durchmischter als an einer klassischen Business School, wo es ähnlich spezialisierte Studiengänge gegeben hätte.
Einblicke in den Londoner Studienalltag
Das einjährige Programm ist in Terms statt in zwei Semestern aufgeteilt. Pro Term (ca. zehn Wochen) gibt es vier Kurse, die je nach Studiengang bereits feststehen oder als Wahlpflicht nach eigenen Präferenzen gewählt werden. Im Anschluss an die Klausurenphase im Sommer schreiben wir dann unsere Masterarbeiten, sodass der Kurs tatsächlich ein volles Kalenderjahr füllt.
Im letzten Autumn Term hatten wir für MISDI eine Reihe an Pflichtkursen, die Informationssysteme und Digitale Innovationen aus unternehmerischer sowie theoretischer Sicht behandeln. Ergänzt wurde das Ganze durch einen Kurs, der tiefere Einblicke in unterschiedliche Technologien (wie Cloud Computing, Blockchain, Big Data und AI) und Methodiken (Agile, Soft Systems Methodology, DevOps, etc.) bietet.
Zwischendurch haben wir in der sogenannten Sprint Week eine Gruppenarbeit nach dem Buch Sprint von Jake Knapp durchgeführt und in fünf Tagen mithilfe von Vertretern von Visa und AWS ein Konzept für eine agentic-AI-Anwendung entwickelt. Inhaltlich deckt das Studium also genau meine Erwartungen ab und ich bin schon ganz gespannt, wie meine Wahlkurse eHealth, Governance und Digital Strategy im kommenden Term gestaltet sind.

Mein Alltag zwischen Vorlesungen und wissenschaftlichen Papern
Der Campus der LSE ist mitten in der Innenstadt, direkt neben Covent Garden, und bietet somit die perfekte Ausgangslage, vor oder nach Kursen ein wenig die Gegend zu erkunden und den Londoner Trubel zu genießen. Definitiv ein ganz anderes Erlebnis als das ehemalige Informatikum der Universität Hamburg, welches sich immer abseits des Hauptcampus befunden hat.
Neben dem vielen Lesen von Papern verbringe ich meine Zeit am liebsten mit Freund*innen in den zahlreichen Londoner Cafés, genieße das etwas bessere Wetter als ich es aus Hamburg gewohnt bin und unternehme gerne Tagestrips zu Museen oder anderen Sehenswürdigkeiten. London bietet wirklich für alle möglichen Interessen zahlreiche Angebote, sodass es eigentlich nicht langweilig werden kann.
Zudem bietet die LSE durch ihre ganzen Hochschulgruppen (den sogenannten Societies) eine Menge weiterer Möglichkeiten, den Freundeskreis über gemeinsame Interessen wie Sport, Sprachen oder fachliche Themen zu erweitern. Dazu bin ich dieses Jahr in einer Gruppe von Kommiliton*innen aktiv, die die nächste Auflage eines akademischen Studentenjournals isChannel für die sozialwissenschaftliche Untersuchung von Informationssystemen veröffentlichen.

Bewerbung und Finanzierung
Die Bewerbung an der LSE bestand aus einem Motivationsschreiben sowie zwei Empfehlungsschreiben, die ich dankenswerterweise von meinen ehemaligen Professoren der Universität Hamburg ausgestellt bekommen habe. Dazu habe ich auch den GMAT-Test abgeschlossen, um mich etwas besser zu positionieren, obwohl dies kein Pflichtkriterium war.
Die Studienfinanzierung hat sich dabei etwas schwieriger herausgestellt, da die Studien- sowie Lebensunterhaltungskosten für ein Jahr in London leider hoch ausfallen. Da meine Stipendiumsbewerbungen leider unerfolgreich waren, finanziere ich mir das Studium nun durch meine Ersparnisse der letzten Jahre aus diversen Beschäftigungen, Auslands-BAföG sowie Steuerrückerstattungen. Mein aktuelles Jahr hier in London ist auch das erste Mal, dass ich neben dem Studium nicht arbeite.
Trotz der hohen Kosten bin ich aktuell sehr glücklich mit meiner Entscheidung, da ich mir so ein wenig Raum gebe, mich stärker mit den Inhalten des Studiums auseinanderzusetzen sowie meinen Alltag in London zu genießen.
Mein aktuelles Zwischenfazit
Insgesamt ist bisher etwa ein Drittel meines gesamten Aufenthalts hier vergangen, sodass es noch etwas zu früh ist, ein komplettes Fazit zu ziehen. Das Studium ist vom Aufbau zu meinen bisherigen Erfahrungen etwas intensiver, allerdings decken sich die Kurse mehr mit meinen Interessenbereichen, sodass das Studium insgesamt deutlich mehr Spaß macht. Daher bin ich extrem froh, diesen Schritt trotz finanzieller Unsicherheiten realisiert zu haben, und bin trotz des viel intensiveren nächsten Terms ganz gespannt, wie sich die nächsten acht Monate entwickeln.

